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Das nicht vergessene Jubiläum oder „Waldheim – die Heimat des TSV"1913-Waldheimverein-Gruendungsliste-S1

Der TSV Berkheim hat ein Vereinsheim, auf das er mit Recht stolz sein kann, das Waldheim in der Jakobstraße. Das Waldheim hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich, im letzten Jahr hätten die Gründungsväter des „Waldheimvereins" ihr 100 jähriges Jubiläum. Bei der Durchsicht des TSV Archivs kam eine nahezu vollständige Chronik des Waldheimvereins zum Vorschein mit Originalunterlagen ab 1913. Der verstorbene Ehrenvorsitzende des TSV Berkheim Werner Ginter hat 1983 zum damaligen 70 jährigen Jubiläum eine Zusammenfassung der Geschehnisse verfasst. Aus dieser Chronik werden wir in hier zitieren um den Waldheimverein und seine Mitglieder nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Der Jubilar Waldheimverein wurde 1913 von 55 namentlich bekannten Berkheimern gegründet. Die Liste No.1 (siehe Bild) mit den eigenhändigen Unterschriften liegt noch im Original vor und ist ein Schatz im TSV Archiv. Leider fiel nach nur 20-jährigem Bestehen der Verein im Jahr 1933 den politischen Verhältnissen zum Opfer, dazu später mehr. Was soll also der Nachgesang auf einen Verein, der seit 70 Jahren nicht mehr existiert wird manch Neu-Berkheimer denken. Diese Meinung wollen sicher alteingesessene Berkheimer nicht gelten lassen, denn schließlich stand die Wiege des Waldheimvereins exakt an der Stelle, an der heute die Heimat der Berkheimer TSV Sportler ist, im Berkheimer Waldheim.
Vom Vorgänger der TSV Berkheim dem Turnerbund Berkheim sind aus den Jahren vor 1933 außer wenigen Bildern keine Aufzeichnungen oder Notizen vorhanden. Lediglich die "Statuten, beschlossen in der außerordentlichen Generalversammlung am 28. Februar 1930" sind in gedruckter Form erhalten geblieben. Die Vereinsleitung freut sich über jedes Dokument und Bild aus alten Zeiten, falls Sie etwas haben, bitte melden.
Dagegen sind vom Waldheimverein noch recht zahlreiche Aufschriebe in unserem Besitz. Dazu zählen besonders viele aus dem Gründungsjahr 1913. Dies beginnt mit der Liste der Gründungsmitglieder. Weiter liegt eine am 27. April 1913 beschlossene Satzung und eine Benachrichtigung des königlich-württembergischen Amtsgericht Esslingen über die Eintragung ins Vereinsregister vom 24. Mai 1913 vor. Des weiteren liegt uns die „Genehmigungsurkunde zur Erstellung einer einstöckigen Schutzhütte mit Verkaufsraum, 27m lang, 7 m breit und bis zum First 5,50 m hoch, auf Freipfosten" vom September 1913 vor.
Der Waldheimverein erwarb damals den notwendigen Grund und Boden zur Errichtung der Schutzhütte über einen Mittelsmann, weil der Eigentümer des Waldstücks nicht bereit war, an den Waldheimverein sein Grundstück zu veräußern. Der Mittelsmann tätigte den Kauf und veräußerte dann das begehrte Stück wieder an den Waldheimverein.

Ruhig ging es in der damaligen Zeit nicht zu. Als weiteres amtliches Dokument des Vereins fällt ein Strafbefehl clickpicvom königlichen Amtsgericht Esslingen ins Auge. Darin wird der damalige Vorstand Friedrich Herdtle beschuldigt,

"er habe am Sonntag, dem 15. Juli 1910 im Waldheim, Markung Berkheim O/A Esslingen den Betrieb eines stehenden Gewerbes, zu dessen Beginn eine polizeiliche Genehmigung erforderlich ist, nämlich eine Schankwirtschaft ohne die vorschriftsmäßige Genehmigung unternommen, indem er an andere Personen in der auf Erwerb gerichteten Absicht Bier und Speisen gegen Entgelt zum sofortigen Genuss an der Verkaufsstelle abgab."

Für dieses "Delikt" wurde vom königlichen Amts-Hilfs-Richter eine Strafe von fünf Mark, im Unvermögensfalle eine Haftstrafe von einem Tag auferlegt. Mit Friedrich Herdtle hatte der Waldheimverein einen Mann an seiner Spitze, dessen Einsatz, Arbeitskraft und Ausdauer nicht zu überbieten war. Wie er trotz vieler Rückschläge für seine Ideen und Vorstellungen sich einsetzte und kämpfte, wie er trotz der Schwierigkeiten die ihm vom Landratsamt Esslingen und vom königlich-württembergischen Amtsgericht in den Weg gestellt wurden, nie klein beigab, kann wirklich nur mit dem Prädikat "einmalig und vorbildlich" gelobt werden. Grund des Ärgernisses und der Querelen mit den Behörden war ganz einfach und banal die fehlende Wirtschaftserlaubnis.

Im Frühjahr 1914 wurde dem Waldheimverein vom Berkheimer Schultheißenamt die Erlaubnis vom hiesigen Schultes Kirchner erteilt, "am Sonntag, dem 10. Mai 1914, anlässlich der Waldheimeinweihung auf ihrem Spielplatz im Espach hiesige Markung mit Bier wirtschaften zu dürfen". Die Freude war aber sicher schnell gedämpft, durch einen Rekursbescheid der königlich-württembergischen Regierung. Schließlich dauerte es noch 8 Jahre, bis endlich die Wirtschaftserlaubnis vorlag.

Die lang ersehnte und angestrebte Wirtschaftserlaubnis wurde dann im Jahr 1922 erteilt. Die Erlaubnis galt allerdings nur für die Zeit vom 1. April bis 31. Oktober des Jahres. Diese zeitliche Beschränkung ist wiederum der Anlass für Friedrich Herdtle, seine Anstrengungen und den Kampf mit den Behörden fortzusetzen.

Der Waldheimverein erweiterte im Mai 1929 die Schutzhütte um einen einstöckigen Anbau um den in der Satzung von 1929 festgelegten Statuten gerecht zu werden. Interessant ist dabei der § 2: "Zweck des Vereins ist der Erwerb und die Unterhaltung eines Spiel- und Erholungsplatzes. Der Platz dient dazu, den Mitgliedern des Vereins und ihren Familien zwangslose Geselligkeit, Bewegung und Erholung in frischer Luft zu ermöglichen. Das Waldheim darf nur den Interessen der Arbeit- Sport- und Kulturverein dienen". Dieser Spiel- und Erholungsplatz ist der Urvater unseres Sportgeländes Holzäcker. Im Jahr 1930 wurde ein Gesuch an die Gemeinde Berkheim gestellt. "Wir bitten um die Erlaubnis zur Herstellung eines Fußweges von der Turnhalle bis zum Spielplatz Berkheim und kostenlose Lieferung der dazu benötigten Steine und Zementröhren".
Die Arbeiten sollten in eigener Regie durchgeführt werden, die Gemeinde sollte die für den Fußweg notwendige Fläche zur Verfügung stellen. Der letzte Satz des Gesuchs zeugt vom Weitblick der Antragsteller: "Wir bitten, das Gesuch wohlwollend zu behandeln, da es auch dem Fremdenverkehr dienen würde".
Die letzten vorhandenen Unterlagen aus dem Jahr 1933 waren für den Verein wenig erfreulich. Die Handschrift der neuen Machthaber und der Hitlerdiktatur ist deutlich herauszulesen. Das Württembergische Innenministerium und die Württembergische Politische Polizei bestimmten mit dem Schreiben 31 788/33 vom 12. Mai 1933 an das Oberamt Esslingen die Auflösung und Beschlagnahmung des Vereinsvermögens.

Die Begründung der Auflösung im Wortlaut:1933-Aufloesung-WHV2
Der Waldheimverein Berkheim fällt als Hilfsorganisation der Eiseren Front unter die Auflösungs- und Beschlagnahmeverfügung des Polizeikommissars für das Land Württemberg vom 13. März 1913. Der Vereinszweck ist im § 2 der Vereinssatzung klar dahin ausgesprochen, daß das Waldheim nur den Interessen der Arbeitersport- und Kulturvereine dienen dürfe. Die Einstellung des Vereins geht auch aus der Tatsache hervor, daß demselben als korporative Mitglieder der Turnerbund Berkheim (A.T.S.B.), der Gesangverein „Aurora" (A.S.B.), der Arbeiterradfahrverein Berkheim (A.R.K.B.) und der Sozialdemokratische Ortsverein Berkheim angeschlossen waren. Eine Änderung der getroffenen Maßnahmen kommt daher nicht in Frage.

gez. Landrat Z.

Anmerkung: Die Eiserne Front war ein Zusammenschluss des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), des Allgemeinen freien Angestelltenbundes (Afa-Bund), der SPD und des Arbeiter Turn- und Sportbundes (ATSB) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Eiserne Front hörte mit der Unterdrückung der Arbeiterbewegung und der Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 auf zu bestehen.

Mit diesem letzten Dokument wird die Akte Waldheimverein zwangsweise geschlossen, das gesamte Eigentum ging an den TSV über. Nach Kriegsende verzichteten die früheren Mitglieder des Waldheimvereins auf ihren rechtmäßigen Besitz. Wieder unter Federführung von Friedrich Herdtle, Wilhelm Müller und Julius Walker wurde er dem TSV Berkheim übertragen.
In den darauf folgenden Jahre wurde weiter an der Attraktivität des Waldheims gearbeitet. In den Jahren 1950 bis 1952 wurde in Eigenleistung eine Wasserleitung zum Waldheim verlegt. Anfang der 60'er Jahre baute die Gemeinde Berkheim einen Gemeindesportplatz. Der dadurch größere Sportbetrieb war mit weiteren Baumaßnahmen am Waldheimgebäude verbunden. Es entstand eine öffentliche Gaststätte, zwei Wohnungen und Umkleideräume. Seit 1968 ist das Waldheim verpachtet. Ab 1990 wurde der vereinseigene „Sportplatz-Acker" in ein modernes Allwetterspielfeld umgewandelt. Der wiederum wurde ab Mai 2006 durch ein modernes Kunstrasenspielfeld ersetzt. Damit verfügte der TSV in der nahen und weiteren Umgebung über eines der attraktivsten Vereinssportgelände.

Der TSV Berkheim feierte 1995 sein 100 jähriges Jubiläum. In der Festschrift schrieb Günter Werner zum Waldheim: „Der TSV Berkheim wird das idyllisch gelegene Waldheim in Verpflichtung auf seine Gründer und den heutigen Anforderungen weiterhin so pflegen und betreiben, daß es geselliger Treffpunkt, Ausflugsziel, Sportstätte und auch wirtschaftliche Grundlage für die Vereinsarbeit bleibt", dem ist nichts hinzuzufügen.

Im Waldheim steht dieses Jahr ein Pächterwechsel an. In den Monaten März und April bleibt die Gaststätte wegen Renovierungs- und Umbauarbeiten geschlossen. Ab dem 01. Mai 2014 wird die Sportgaststätte unter neuer Führung wieder eröffnet.

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